Der Elbe-Lübeck-Kanal
 - die Entstehung einer Wasserstraße -
Projektkurs 13. Jahrgang 2000/2001 (J. Clement)

 
 

deutsch
 
 

englisch 

Geschichtlicher Überblick
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 



 Schleuse bei Krummesse 
( Elbe-Lübeck-Kanal)

Geographie und Lage des Kanals 

Der Elbe- Lübeck- Kanal stellt in nord-südlicher Richtung den Anschluss der Untertrave an das bundesdeutsche Binnenwasserstraßennetz dar. Seine Länge beträgt 65,5 km. Die Kilometrierung beginnt in Lübeck und endet in Lauenburg. Bergfahrt ist die Fahrt in Richtung Elbe. Im Ortsbereich der Hansestadt Lübeck ist der Kanal 5,6 km im Travelauf entlang geführt. Er ist außerdem in der Stadt selbst zu einem Hafen von 80 m Sohlenbreite und 3,5 m Wassertiefe ausgebaut. Die Abmessungen des Kanals entsprechen dem für Schiffe von ca. 1000 t Tragfähigkeit.

Historischer Rückblick auf die Güterbeförderung 

Zu Zeiten der Hanse entschloß man sich zum Ausbau einer Wasserstraße, der Ende des 14. Jhs. abgeschlossen war, zwischen den Flüssen Delvenau und Stecknitz. Der Grund für diese Baumaßnahmen waren die 30 000 t Salz, die in Lüneburg produziert und in Nord- und Osteuropa als Gewürz sowie als Konservierungsmittel benötigt wurden. Zwar konnten die Lastkähne nur 7,5 bis 12,5 t laden, so daß der Transport von Lüneburg nach Lübeck bis zu fünf Wochen dauerte, aber dennoch war diese Möglichkeit die schnellste und sicherste. Anfang des 16. Jhs. wurden jährlich 1200 Schiffsladungen von jeweils 12,5 t verzeichnet. Mitte des 19. Jhs getätigte Baumaßnahmen führten zu einer Verkürzung der Fahrtzeit von drei bis fünf Wochen auf neun Tage. Schon kurz nach der Einweihung des Elbe- Trave- Kanals am 16. Juni 1900 hatte mit einem mit Braunkohle beladenen Elbkahn die Frachtschiffahrt begonnen. Lübeck führte nun über den Kanal hauptsächlich Nahrungs- und Düngemittel ein, ausgeführt wurden Hölzer mit unterschiedlichem Verwendungszweck, nach der Gründung des Hochofenwerkes 1907 auch Roh- und Brucheisen. Die Verkehrsentwicklung auf dem Kanal verlief bis zum 1. Weltkrieg entsprechend den derzeitigen Erwartungen. In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg sorgte der Transport von Kies aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg auf dem Kanal für ein Rekordaufkommen. Mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und der Öffnung der Grenzen nach Osten ist das Transportvolumen nach seinem historischen Tiefpunkt auf dem Elbe- Lübeck- Kanal wieder deutlich auf knapp 1,5 Mio. t im Jahr 1995 angestiegen. Nach einem erneuten Rückgang in den beiden folgenden Jahren auf rund 1,1 Mio. t ist seitdem wieder eine Steigerung um jährlich 3-4 % zu verzeichnen. Hauptsächlich werden Güter wie Sand, Steine, Erze, Getreide- und Ölsaaten, Stahlerzeugnisse, feste Brennstoffe und Forstprodukte gefahren, aber auch Maschinen, Fahrzeuge oder Halb- und Fertigerzeugnisse. Das Binnenschiff eignet sich auch für die Beförderung von Mineralöl, Gas und anderen Gefahrgütern. Aufgrund der Brückendurchfahrtshöhen von 4,40 – 4,57 m im Kanalgebiet rechnet sich die Containerfahrt hier kaum.

Systembedingte Vor- und Nachteile des Verkehrsträgers Binnenschiff

1.Systembedingte Vorteile: hohe Verkehrssicherheit, geringer Energieverbrauch,hohe Umweltfreundlichkeit, wirtschaftlicher Nutzen durch Lagermöglichkeiten, geringeexterne Kosten

2.Systembedingte Nachteile: geringe Netzbildung, geringe Geschwindigkeit, zeitlicheVerzögerungen und witterungsbedingte Abhängigkeiten, geringer Wegekostendeckungsgrad, weitgehende Festlegung auf Massenguttransporte, überwiegend Mittel- und Fernstrecken, relativ geringe Marktanpassungsfähigkeit

Geschichtlicher Überblick


 
1143
1. Gründung Lübecks (Freie Stadt)
1188
Kaiser Friedrich I. verleiht Lübeck besondere Hoheitsrechte über Stecknitz bis zum Möllner See (Barbarossa-Privileg)
1237
Die Stecknitz wird bereits mit Salzprähmen befahren (urkundlich belegt)
um 1350 
Blütezeit der Hanse
24.06.1390
Vertrag zwischen der Stadt Lübeck und Herzog Erich IV. von Sachsen-Lauenburg über die Anlegung einer Wasserstraße zwischen Elbe und Trave
1391-1398
Einrichtung der Stecknitzfahrt (22.07.1398 Eröffnung der Wasserstraße)
1400-1600
Anlegen der Schiffe in Lübeck an der Obertrave
seit 1400
Zusammenschluß der Lübecker Kaufleute: Monopol der Salzherren durch Konkurrenzausschluß der selbständigenStecknitzfahrer
1422
Maria-Magdalena-Brüderschaft der Stecknitzfahrer
1556
Aufruhr durch den Reformationsgedanken, Lohnstreit führt zu Streiks der Stecknitzfahrer
1579-1745
Bau der Salzspeicher in Lübeck
1630
„Amt der Stecknitzfahrer“ (Innung)
1669
Niedergang der Hanse durch Erstarken der Territorialstaaten
1810
Lübeck unter franz. Besetzung: Projekt zur Verbindung des Rheins mit der Ostsee (Canal de la Seine à la Baltique) sowie ein Ausbau des Stecknitzkanals
1815-1864
Schleswig-Holstein und Lauenburg unter dänischer Herrschaft: Pläne zum Ausbau des Kanals können nicht ausgeführt werden
1851
Bau der Lübeck-Büchener Eisenbahn löst starke Konkurrenz aus
1866
Schleswig-Holstein und Lauenburg unter preußischer Herrschaft
1873
Das Projekt des Baumeisters Alfred Marks „zur vollständigen Wiederherstellung der Wasserverbindung Lauenburg-Lübeck“ wird abgelehnt
1877
Baurat C. Lohmeyer arbeitet die Ideen Marks`s aus, diese finden Zustimmung
1887
Bau des Nord-Ostsee-Kanals (Kaiser-Wilhelm-Kanal)
1888-1918
Wilhelm II. ist deutscher Kaiser und König von Preußen
1892
Hotopp entwickelt einen neuen Mechanismus zur Schleuseninbetriebnahme
31.03.1892
Wasserbaudirektor Rehder legt den Bauplan für den neuen Kanal vor
13.08.1896
Einstellung der Stecknitzfahrt
1896-1900
Bau des Elbe-Trave-Kanals, der modernsten Wasserstraße Deutschlands
16./17.06.1900
Einweihung des Elbe-Trave-Kanals durch Kaiser Wilhelm II.
seit 1921
Umbenennung zum Elbe-Lübeck-Kanal (ELK)
1937
Lübeck wird der preußischen Provinz Schleswig-Holstein zugeschlagen
1942
Entwurf über den Anschluß Lübecks an das dt. Binnenwasserstraßennetz
nach 1945
Hamburg wird Hauptpartner des Lübecker Hafens
1965
Kapazitätsgrenze des Kanals mit 2,7 Mio. t Transportgut wird erreicht
1968
Bau des Elbe-Seitenkanals
1971
Entwurf des Kanalausbaus für das Europaschiffs
1975
Programm der „Mindestinstandsetzung“
1987
Transportaufkommen erreicht mit 0,6 Mio t den Tiefpunkt
1992
Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplanes: ELK als vordringlicher Bedarf der Substanzerhaltung
1995
Das Transportvolumen ist bereits auf 1,5 Mio. t gestiegen
2000
Neubau der Lauenburger Schleuse

 

English summary

The origin of a shipping route between Elbe and Trave 

1.From the Stecknitzfahrt to the Elbe-Lübeck- Kanal

The origins of a navigable waterway between the rivers Elbe and Trave, as the Elbe-Lübeck-Kanal represents today, go far back in history. Since Lübeck`s foundation in 1143 the town was aligned on salt-trade. As one of the most important goods in medieval commerce of the countries near the Baltic Sea salt was shipped from Lübeck to the nordic countries` coasts where it was required for herring`s preservation. Probably theriver Stecknitzwas already canalized between Mölln and Lübeck in Slavic times to make it possible to transport salt from the saltern Lüneburg by water on this part of the route. But only in 1390 Lübeck`s representatives and the duke of Lauenburg Erich IV. came to an agreement on the construction and improvement of a canal between Elbe and Trave at last. During seven years of labour- and cost-intensive construction the river Delvenau was hollowed out between Mölln and the Elbe and an artificial ditch was digged at the river`s upper course to cross a watershed of eleven kilometres length. This technical masterpiece was followed by a second one: The new-developed chamber-lock made it possible to overcome a four-metres-height of fall between the new ditch and the Möllner See on a comparatively short distance of 700 metres. A junction of the river Stechnitz flowing into the river Trave and used as a shippingroute before and the enlarged Delvenau was completed. With a length of 97 kilometres the so-called “Stecknitzfahrt“ was Europe`s longest watershed-canal in those times. Thirteen, in later days seventeen locks had to be passed on this route: According to water level and the time of arrival at the locks a passage took two to five weeks. The “Stecknitzfahrt“ was plied by the “Stecknitzfahrern“ on barges, which were either driven by current or towed upstream by the “Linentrekkern“. From twelve metres and a load capacity of 7.5 to 12.5 tons in former times the ships developed gradually by repairs and improvements of the shipping route into the so-called “Stecknitzkahn“ (length 23m, load capacity 35-37 t), which ran on the Elbe-Lübeck-Kanal until the 1920s. 1810, in the time of the French occupation of Lübeck, the Stecknitz should have become part of the “Canal de la Seine à la Baltique“ according to the desire of the French. But that never really happened. In reality, the occupation troops marching off left behind a sight of devastation, after several sluices had been destroyed by them, so that these technical novelties became useless for years. Considering the enormous competition pressure caused by the building of the railway in Holstein 1850/1860 one perceived the necessity of the further development of the obsolete water-way. Finally, with great expenditure of workload and machines the Stecknitz has been enlarged within four years to the “Elbe-Trave-Kanal“, at that time the most modern water-way of Europe, which was inaugurated by the German emperor on June 6th, 1900.

2. Geographic position and architectural formation of the canal 

The “Elbe-Lübeck-Kanal“ with a length of 65,5 km (measured from Lübeck to Lauenburg), of which 5,6 km belong to Lübeck directly, represents the connection between the “Untertrave“ and the inland water-way system of Germany. 

In Lübeck, the canal is enlarged to a port with a breadth of 80 m and a depth of 3,5 m. The measures of the whole canal correspond to a capacity of holding of 1000 t. In order to overcome the differences in hight, seven sluices with a length of 80 m and a breadth of 12 m are needed which were invented by Ludwig August Hotopp in 1892 and represent a technical rarity even today, because they are neither in need of electricity nor disel but of water as driving power. The complete process lasts ca. nine minutes until a cargo-ship is able to resume its course.

3.Conveyance of goods

At the beginning of the 16th century 1200 cargoes at 12,5t have been indexed. Several struktual upgrades in the middle of the 19th century made it possible to shorten the shipping time from 5 weeks to 9 days. After the reopening of the Elbe-Trave-Kanal in June 1900 freight-navigation began. Lübeck mainly imported food and fertilizer and exported wood and pig iron. As expected, cargo traffic increased from year to year until the outbreak of World War I. After the 2nd World War, the rebuilding of post-war West Germany and conveyance of gravel from the district of Herzogtum Lauenburg once again caused an increase in the canal`s usage. The reunion of the two German states and the open frontiers to the east increased transport volume on the Elbe-Lübeck-Kanal (1995 about 1,5Mio. t) after a period of regression. Since then, the annual increase in traffic amounts to 3-4%.

Goods such as sand, stone, ore, corn, steel, machines and vehicles are the main freight. Furthermore, inland ship navigation conveys mineral oil and gas.

4. Advantages and disadvantages of inland navigation:

Advantages: security (referring to traffic), low consumption of energy, contributes to environment protection, economic profit: storage place, low external costs

Disadvantages: low speed, delays, depends on weather, does not adapt to the market as fast as necessary

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