![]() |
|
Aspekte
der Europäischen Identität
|
|
Friesisch ist eine eigene Sprache - und kein Dünen-Dänisch oder Deich-Platt. Es gehört zur westgermanischen Sprachenfamilie und gliedert sich in drei Zweige.
Zur
Großansicht auf die Karte klicken.Nordfriesisch umfaßt zwei Dialektgruppen,
das Festlands- und das Inselfriesische. Die Friesen kamen nämlich
in zwei Einwanderungswellen: im siebten, achten Jahrhundert vor allem auf
die Inseln Amrum, Föhr, Sylt und Helgoland, im elften Jahrhundert
sodann aufs Festland.Insgesamt werden heute neun Dialekte gesprochen, von
denen mindestens drei akut vom Aussterben bedroht sind, nämlich das
Mittelgoesharder, das Karrharder und das Halligfriesisch. Durch die Jahrhunderte
war Friesisch in Nordfriesland die allgemein gebräuchliche Sprache
in der Familie und im Dorf und blieb lange auf den mündlichen Gebrauch
beschränkt. Erst von 1800 an wurde es häufiger auch als Schriftsprache
benutzt.
Das Friesische Das Friesische ist eine westgermanische Sprache (vgl. hierzu die Charakterisierung der germanischen Sprachfamilie), die von etwa 400 000 Menschen in der Provinz Friesland gesprochen wird. Es ist nahe verwandt mit dem Niederländischen, weist aber auch - vor allem auf lexikalischer Ebene - einige auffällige Übereinstimmungen mit dem Englischen auf. Für die Entwicklung des Friesischen war jedoch in erster Linie das Niederländische von Bedeutung, da die beiden Sprachen im Laufe der Jahrhunderte immer wieder miteinander in Kontakt kamen. Die jeweiligen Machtverhältnisse im Gebiet der heutigen Niederlande waren bestimmend für diesen Sprachkontakt. Die Provinz Friesland ist heute eine
mehrsprachige Provinz. Neben der Staatssprache Niederländisch und
der Regionalsprache Friesisch werden auch noch einige Dialekte gesprochen,
nämlich Stellingwerfsk (sachsischer Dialekt im Süden), Bildts
(im Nordwesten) und Stadtfriesisch ("Stedsk") in den größeren
Städten (siehe Karte).
Ab wann man von einer "friesischen
Sprache" sprechen kann, ist genau wie beim Niederländischen nur schwer
zu bestimmen. Rund 800 standen die germanischen Sprachen altsachsisch,
altfrankisch, altfriesisch einander nämlich noch recht nahe.
Im Mittelalter war Friesland ein autonomes und vor allem einsprachiges Gebiet, das von ständig wechselnden Häuptlingen regiert wurde. Altfriesisch war nicht nur Umgangssprache sondern auch offizielle Verwaltungs- und Rechtssprache - altfriesische Rechtstexte sind ab dem 13. Jahrhundert überliefert. Während man im Falle der niederländischen Sprache ab dem 12. Jh. von Mittelniederländisch spricht, wird die Bezeichnung Altfriesisch für friesische Sprachformen bis zum 16. Jh. verwendet. Das Friesische des 13./14. Jahrhunderts weist nämlich noch Merkmale auf, die für die ältesten westgermanischen Sprachstufen (vgl. hierzu die Merkmale des Gotischen) kennzeichnend waren, wie z.B. nicht reduzierte Vokale in unbetonten Silben (vgl. Van der Wal, 1992: 99) wie im folgenden Ausschnitt aus dem Hungsingoër-Text aus dem Jahr 1252 zu sehen ist (vgl. De Friese taal, 1995: 3]: Thet thredde bod: fira thene sunnandei
en there helche degan.
Im Laufe des 16. Jahrhunderts verlor
Friesland seine Unabhängigkeit - 1579 wurde es Teil der Republik
der Vereinigten Niederlande. Die Verwaltung kam in holländische
Hände und das standardisierte
Niederländisch wurde Schrift-, Verwaltungs,- Schul- und Kirchensprache.
Für die Entstehung des Stadtfriesischen
oder "Stedsk" gibt es zwei Erklärungsmodelle. Ursprünglich wurde
allgemein die Theorie vertreten, daß das Stadtfriesische die Sprache
derjenigen Friesen war, die versuchten sich an die Sprache der holländischen
Oberschicht anzupassen und darum ein "verhollandst" Friesisch sprachen
(vgl. Boelens,
1982: 41].
Infolge der Trockenlegung der "Middelzee" (im Nordosten von Friesland) im 16. Jh. siedelten sich holländische Bauern auf dem neuen Land an. Auch hier kam es wieder zu Sprachkontakt - es entstand das sogenannte "Bildts". Bis ins 19. Jh. entwickelte sich
das Friesische ausschließlich als gesprochene Sprache weiter. Es
wurde in die friesischen Dörfer zurückgedrängt und wurde
dort so gut wie gar nicht vom Niederländischen beeinflußt. Die
Sprache der (städtischen) Oberschicht war Niederländisch und
die Mittelschicht sprach Stadtfriesisch, das in dieser Zeit einen recht
hohen Status hatte und diesen auch bis in die 50er-Jahre des 20. Jh. behielt.
Im Bereich von Verwaltung, Schule und Kirche war jedoch auch im 19. Jh. noch keine Rede von einem Platz für das Friesische. In den Schulen wurden die Lehrer sogar dazu angehalten, "die friesische Bauernsprache nicht zu gestatten" (De Jong/Riemersma, 1994: 15). Außerdem war das Friesische noch immer nicht standardisiert - erst 1879 bekam das Friesische seine erste offizielle Rechtschreibung. Das 20. Jh. brachte allmählich
Verbesserungen für das Friesische - es eroberte immer mehr Domänen.
Seit 1937 darf friesisch im Grundschulbereich unterrichtet werden, seit
1955 ist es auch als Unterrichtssprache gestattet. 1980 wurde es zum Pflichtfach
in den Grundschulen erklärt, 1993 auch für den Sekundarschulbereich.
Seit den 50er-Jahren darf das Friesische vor Gericht verwendet werden,
offizielle Dokumente dürfen in friesischer Sprache verfaßt sein
und es besteht die Möglichkeit zu zweisprachigen
Ortstafeln.
Zur gleichen Zeit drang jedoch auch
das Niederländische in immer mehr traditionell friesische Domänen
(wie Dorfgemeinschaft und Familie) ein, vor allem als Folge von Migration
und Mischehen.
Immer mehr Menschen beherrschen das Friesische zumindest passiv und stehen der Sprache auch zunehmend positiver gegenüber. Auch wird das Friesische in immer mehr Domänen verwendet (Radio, Zeitung,...). Das Stadtfriesische oder Stedsk und das Leewarders (=Stadtfriesisch der Hauptstadt Leeuwarden) im besonderen verloren zusehends an Status. Das Leewarders wurde zum Soziolekt - es wird nur noch von Angehörigen der unteren sozialen Schichten gesprochen (vgl. Jonkman, 1993). In den vergangenen Jahren wurden darum auch einige Aktionen gestartet, um die Bewohner von Leeuwarden zu ermutigen, ihr Leewarders auch in der Öffentlichkeit zu verwenden. © bearbeitet von Antonia und Konstanze (10a) |
Zurück zur Startseite des Europaprojekts
© Susan Wessin - 2/12/2001 Thomas-Mann-Schule Lübeck