Blaualgenblüten in der Wakenitz

Ein Origini-Comenius-Projekt von Schülern und Lehrern


Allgemeine Informationen über Blaualgen
Blaualgen in der Wakenitz
Ursachen  und Folgen der Blaualgenblüten

 

Blüte von Oszillatoria limosa in der Wakenitz (eigene Aufnahme)
Blüte der Schlamm-Schwingalge (Oscillatoria limosa) im zeitigen Frühjahr
Sommerliche Blaualgenblüte in der Wakenitz (eigene Aufnahme)

 

Blüte verschiedenen Blaualgenarten im Sommer 
 
 




















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Allgemeine Informationen über Blaualgen 

 

  Blaualgen gehören ihrem Zellaufbau nach nicht zu den Algen, sondern sind Bakterien, die zur Photosynthese fähig sind. Diese Photosynthese läuft nach dem Muster ab, das die "höher" entwickelten Algenarten,  Moose, Farne und Samenpflanzen praktizieren. Das bedeutet, dass mit Hilfe der Energie des Sonnenlichtes  Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten wird. Der Sauerstoff wird - so weit  nicht zur eigenen Atmung genutzt  - abgegeben; der Wasserstoff wird mit Kohlenstoffdioxid zu Zucker verbunden. Erdgeschichtlich waren sie wahrscheinlich die Erfinder dieses Photosynthesetyps und mit seiner Entstehung vor etwa 3 Milliarden Jahren veränderte sich die Zusammensetzung der Atmosphäre unseres Planeten allmählich, indem sie immer sauerstoffreicher wurde (von weit unter 1% damals auf etwa 20 % heute). Ohne diese Sauerstoffanreicherung hätte sich die Lebewesen in der heute bekannten Form sicher nicht entwickeln können.

Die Chloroplasten, das sind die Zellorganellen, in denen die Photosynthese bei den oben erwähnten Algen, Moosen, Farnen und Blütenpflanzen betrieben wird, sind - dafür sprechen alle Indizien - in die Zellen dieser Organismen eingebaute Blaulagen (so genannte Endosymbionten).

Die meisten heute lebenden Blaualgen sind blaugrün gefärbt (daher der Name für diese Gruppe von Organismen), eine Mischfarbe, die aus den auch bei allen höheren Pflanzen vorhandenen Photosynthesefarbstoffen Chlorophyll a und b sowie dem blauen Pigment Phycocyanin entsteht.  Einige Blaualgen besitzen zusätzlich den roten Farbstoff Phycoerythrin, der je nach Konzentration zu einer roten Gesamtfarbe oder zu verschiedenen Mischfarben führen kann.

Blaualgen haben keine Geißeln zur Fortbewegung, viele fädige Formen können jedoch kriechende und schwingende Bewegungen ausführen (Schwingalgen!).

Blaualgen vermehren sich ausschließlich ungeschlechtlich durch Querteilung ihrer Zellen. Bei allen Formen teilt sich nur die innerste Wandschicht. Die äußeren Schichten bleiben ungeteilt, vergrößern sich nach der Teilung noch etwas und umgeben dann konzentrisch Zellen und Kolonien.

Nahezu alle Blaualgen  leben im Süßwasser und sind dort Bestandteil des Planktons, der im Wasser schwebenden Lebensgemeinschaft. Ihre Einzelzellen sind klein (0,001 - 0,02 mm). Einige Formen neigen jedoch zur Koloniebildung und sind dann mit dem bloßen Auge sichtbar. Besonders auffällig werden sie, wenn sie sich in Massen entwickeln. Solche Massenentwicklungen werden als Blüten bezeichnet und sind zurückzuführen auf ein Überdüngung (Eu- bis Hypertrophierung) des betreffenden Gewässers.
 
Microcystis und zwei Ananbaena-Arten (eigenes Mikrofoto) Mikroskopisches Bild einer Wasserprobe aus einer sommerlichen Blaualgenblüte der Wakenitz.

Man erkennt mindestens 3 koloniebildende Arten.

Die Kolonien werden durch Ausscheidung einer Gallerthülle zusammengehalten. Bei fädigen Formen sind diese Hüllen scheidenförmig. 

Der Schleim verschiedener Arten kann Hautreizungen hervorrufen und beim Verschlucken giftige Wirkungen entfalten.

Die blütenbildenden Blaualgen sind gekennzeichnet durch den Besitz eines besonderen Merkmals: der Gasvakuolen.
 
Gasvakuolen (Aufnahme aus BiuZ)
      Gasvakuolen von Microcystis aeruginosa

Diese Gasvakuolen sind kleine, regelmäßig aufgebaute, druckfeste Bläschen in den Zellen, die den betreffenden Arten - nach Art eines U-Bootes - ein Aufsteigen an die lichtreiche und warme Oberfläche des Gewässers und damit eine optimale Photosynthese ermöglichen. In der sommerlichen Deckschicht des Gewässers sind allerdings die pflanzlichen Nährstoffe Nitrat und Phosphat, die zur Protein- und Nukleinsäuresynthese benötigt werden, sehr schnell aufgebraucht, die Blaualgen bilden dann verstärkt den Vielfachzucker Glykogen. Dieser macht sie schwerer als der durch die Gasvakuolen erzeugt Auftrieb und sie sinken ab. In der dunklen Tiefenschicht nutzen sie den Vorteil der hier reichlich auftretenden Nährsalze Nitrat und Phosphat, die sie inkorporieren. Da sie in der Tiefe jedoch das gespeicherte Glykogen veratmen, überwiegt allmählich wieder der Auftrieb. Mit neuen Nährsalzreserven an der Oberfläche angelangt, können sie sich vermehren. Auf diese Weise nutzen sie die Vorteile des Licht- und Temperaturangebots in geringen Tiefen und des Nährsalzangebots in größeren Tiefen. Dies ist ein Grund für ihre Fähigkeit zur Massenentwicklung.

Es kommen zwei weitere Gründe hinzu.

A:

In speziellen Zellen, den so genannten Heterocysten, können viele fädige Blaualgen aus elementarem, im Wasser gelösten Stickstoff, die für die Eiweiß- und Nukleinsäuresynthese notwendigen Verbindungen aufbauen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Stickstofffixierung. Alle anderen pflanzlichen Planktonorganismen sind auf Nitrat und Ammonium  zur Synthese der oben genannten Verbindungen  und damit auch zu ihrer Vermehrung angewiesen. Nitrat und Ammonium können unter guten Photosynthesebedingungen bei sommerlichem Wetter schnell aufgezehrt sein, während der Stickstoff unbegrenzt aus der Luft nachgeliefert werden kann. Dies verschafft den Blaualgen einen deutlichen Konkurrenzvorteil. Die Stickstofffixierung kann nur in Abwesenheit von Sauerstoff ablaufen, so dass es zu einem Konflikt zwischen der Photosynthese, bei der Sauerstoff freigesetzt wird, und der Fixierung von Stickstoff kommen muss. Die Lösung des Problems lag in der evolutiven Entwicklung der oben genannten der Heterocysten.
 
Zeichnung aus Sommer: Algen, Quallen, Wasserfloh / Springer Verlag Heterocysten (H) von Anabaena (links) und Aphanizomenon (rechts)

angeheftete Bakterien (B) / vegetative Zelle (V)

Diese speziellen Zellen führen keine Photosynthese durch und geben somit auch keinen Sauerstoff ab. Allerdings scheiden sie organische Verbindungen in ihre unmittelbare Umgebung aus. Diese werden von Bakterien, die an der Oberfläche der Heterocysten siedeln, veratmet. Auf diese Weise - man könnte von einer Symbiose zwischen diesen Bakterien und den Hetrocysten sprechen - schaffen die Bakterien eine Zone ohne bzw. mit sehr geringen Mengen Sauerstoff und schaffen so die Voraussetzungen zur Stickstofffixierung.

B:

Die langen, fädigen Kolonien sind für das tierische Plankton nicht fressbar. Da dieses für ihre ein- oder wenig zelligen Konkurrenten nicht gilt, können sie sich bei starkem Fraßdruck durch die Zooplankter anreichern.

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Blaualgen in der Wakenitz

 

Im Phytoplankton der Wakenitz finden sich hauptsächlich fädige oder anders gestaltete Blaualgen kolonien, die auf Grund der Überdüngung dieses Gewässers im Frühjahr und Sommer zu Massenentwicklungen kommen.
 
 
 
Schlammschwingalge (eigenes Mikrofoto) Oszillatoria limosa / Schlamm-Schwingalge

Diese Blaualge zeigt sehr nährstoffreiches Wasser an. Ihre Fäden besitzen keine Gallertscheide, führen aber Pendelbewegungen aus. Zu Massenentwicklungen kommt es im zeitigen Frühjahr.

Zeigerwert: 2-3

Microcystis im Dunkelfeld (eigenes Mikrofoto) Microcystis flos-aquae / Netzblaualge

Bei dieser Form bilden Tausende von Einzelzellen in einer Gallerhülle bizarre, unregelmäßige, netzartig durchbrochene Kolonien, die bis 1 mm lang werden können. Microcystis ist beteiligt an Blaualgenblüten in der Wakenitz und bildet dann schleimige, blaugrüne bis gelbliche Oberflächenschichten. Das Auftreten diese Art zeigt kritisch belastetes Wasser an

Zeigerwert: 2,5

Bündel von Aphanizomenon (eigenes Mikrofoto)
Aphanizomenon flos-aquae / Sichel oder Spanalge

Bildet Zellfäden, die in Büscheln (bis 1 cm Größe) zusammenliegen. Die Einzelzellen sind 0,005 - 0,15 mm lang. Im Faden findet man vegetative, photosyntheseaktive Zellen, Heterocysten und Dauerzellen, die bis zu 20 Jahre lebensfähig bleiben können. In den Bündeln können sich die einzelnen Fäden in Richtung der Längsachse bewegen. Ihre Färbung ist graugrünlich und sie bildet bei Massenentfaltung einen Blaualgenbrei an der Wasseroberfläche, der bei manchen Stämmen sehr stark giftig sein kann. 0,1 mg dieses Giftes können einen Menschen töten. Es stört die Nervenfunktion. Das Auftreten dieser Art zeigt kritisch belastetes Wasser an.

Zeigerwert: 2,5

 

Anabaena solitaria (eigenes Mikrofoto)
Anabaena spec. / Ringelalge

Wie andere Anabaena-Arten bildet diese Art Einzelfäden, die bei dieser Form gestreckt sind. In den fäden kommen vegetative Zellen, Heterocysten und Dauerzellen vor.

Anabaena spiroides (eigenes Mikrofoto)
Anabaena spiroides / Schraubige Ringelalge

Zeigerwert: 2

 

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Ursachen und Folgen der Blaulagenblüten in der Wakenitz

 

Ein großer Teil der Blaualgen benötigt hohe Nährsalzgehalte im Wasser. Dies gilt insbesondere für den Pflanzennährstoff, der häufig das Wachstum von photosynthetisch aktiven Organismen begrenzt, das Phoshat. Mit der Stickstoffversorgung haben viele Blaualgen keine Versorgungsprobleme (aber energetische Verluste), da sie in Heterocysten zur Stickstofffixierung in der Lage sind (siehe Kapitel: Informationen über Blaualgen). Ihr massenhaftes Auftreten ist deshalb ein eindeutiges Symptom für die Überdüngung der Wakenitz.

Woher kommt der Überschuss an düngendem Phosphat?

Die Wakenitz besitzt ein Wassereinzugsgebiet, das etwa 270 Quadratkilometer groß ist. Davon sind 10 % Wald, 8 % überbaute und 81 % landwirtschaftlich genutzte Fläche. Der Rest von 1 % sind natürliche Biotopformationen. Der hohe Anteil landwirtschaftlich genutzter Flächen ist sicher Hauptquelle der Nährsalzflut in die Wakenitz.
 
Wassereinzugsgebiet der Wakenitz
 
 
 
 

 

Der hohe Anteil konventionell genutzter landwirtschaftlicher Flächen ist heute sicher Hauptquelle der Nährsalzflut in die Wakenitz, welche sich über die in den Ratzeburger See und in die Wakenitz selbst einmündenden Bäche und Grabensysteme sowie über das Grundwasser in sie ergießt. Hinzu kommen natürlich noch Stickstoffbelastungen aus der Luft sowie ausgespülte Düngemittel aus angrenzenden Gartenanlagen.

Das nachfolgende Bild zeigt ein frisch mit Blaukorn - einem phoshat- und nitrathaltigen Kunstdünger - behandeltes Feld östlich des Ratzeburger Sees. Es unterstreicht eindrücklich, welche enormen Mengen an Kunstdüngern Jahr für Jahr auf die Felder aufgebracht werden. Von diesen Mengen landet keineswegs alles in den angebauten Pflanzen. Ein großer oder größerer Teil versickert in den Boden oder wird mit dem Boden bei genügend starken Regenfällen abgeschwemmt.
 
Frisch mit Blaukorn gedüngtes Bild östlich des Ratzeburger Sees
Abspülung von Boden oberhalb des Kannenbruchs

Nach länger andauernden Regenfällen zeigt sich diese Abspültätigkeit auch in einer deutlichen Trübung des Wakenitzwassers.

Regelmäßige Messungen einiger chemisch-physikalischer Parameter der Wakenitz und der ihr Wasser zutragenden Nebenbäche zeigen eindeutig den Nährsalzeintrag über diese Bäche in den Fluss. Die Herkunft dieser Düngesalze ist wiederum zurückzuführen auf die intensive Landwirtschaft in der unmittelbaren und weiteren Nachbarschaft dieser Bäche. Da diese zum größten Teil ihrer natürlichen Ufervegetation beraubt sind, fehlen Pufferzonen zur biologischen Festlegung der aus den Äckern oder dem Grünland ausgespülten Düngemitteln.

Die Messstellen sind folgender Skizze vom Verlauf der Wakenitz zu entnehmen:
 
  1     Ratzeburger See vor Rothenhusen
  2     Einmündungsbereich des Schattiner Mühlenbachs 
  3     Messstelle in der Wakenitz 100 m nach Einmündung von 2 
  4     Einmündungsbereich der Grönau
  5     Messstelle in der Wakenitz 100 m nach Einmündung von 4
  6     Einmündungsbereich des Lüdersdorfer Grabens
  7     Messstelle in der Wakenitz 100 m nach Einmündung von 6
  8     Einmündungsbereich des Herrenburger Landgrabens 
  9     Messstelle in der Wakenitz vor Müggenbusch
 10    Einmündungsbereich des Niemarker Landgrabens (Strecknitz)
 11     Messstelle in der Wakenitz 100 m nach Einmündung von 
 12     Messstelle im Anfangsbereich des Kleinen Seel 

Am 16.09.2001 ergaben sich an den Messstellen 1 - 12 die im Folgenden aufgeführten Messwerte:
 
  Temperatur °C Sauerstoff mg/l Sauerstoffsättigung % Phosphat mg/l Nitrat mg/l Ammonium mg/l Leitfähigkeit Mikro s Sichttiefe cm pH-Wert BSB 5
Ratzeburger                    
See 14,7 7,2 73,2 0,14 0 0 399 150 8,08 1,3
1                    
Schattiner                    
Mühlenbach 11,9 6 57,4 0,25 30 0,013 816 Grundsicht 7,88 1,85
2                    
Wakenitz 100 m                    
nach Einmündung 14,5 7,6 77 0,14 1 0 401 180 8,07 1,3
3                    
Grönau4 11,7 6,1 58,1 0,34 20 0,15 833 Grundsicht 7,75 1,7
Wakenitz 100 m                    
nach Einmündung 14,3 6,5 65,6 0,14 4 0,025 465 200 7,84 1,48
5                    
Lüdersdorfer                    
Graben 11,5 8,8 83,4 0,43 20 0 774 Grundsicht 7,87 3,7
6                    
Wakenitz 100 m                    
nach Einmündung 14,3 7,3 73,7 0,18 4 0,025 483 Grundsicht 200 7,84 3,15
7                    
Herrenburger                    
Landgraben 11,8 4 38,2 0,43 2 0,025 414 Grundsicht 7,67 1,11
8                    
Wakenitz                    
Müggenbusch 14,5 7 70,9 0,25 4 0,025 472 Grundsicht 280  7,83 2,4
9                    
Niemarker                    
Landgraben 14,2 6,3 63,4 0,25 10 0 501 Grundsicht 7,76 2,8
10                    
Wakenitz 100 m                    
nach Einmündung 14,4 6,2 62,7 0,25 4 0,025 480 Grundsicht 200 7,68 1,48
11                    
Kleiner                    
See 14,5 9,5 96,3 0,25 2 0 474 70 8,03 4,4
12                    
  Messwerte erhoben von R. Albert und J. Clement            

Die Darstellung der  Leitfähigkeits- und Phosphatwerte in Form von Säulendiagrammen verdeutlicht die obige Aussage vom Nährsalzeintrag über die in die Wakenitz einmündenden Bäche.
 

Der Leitfähigkeitswert erfasst alle Nährsalzionen im Wasser, ist also ein Summenparameter. Es fällt auf, dass alle Nebenbäche jeweils höhere Werte aufweisen als die Wakenitz selbst. Allerdings steigt der Leitwert der Wakenitz tendenziell vom Ober- zum Unterlauf an.

Dieselben Tendenzen gelten für die Phophatwerte.

Ein Vergleich mit den Leitfähigkeits- und Phosphatmesswerten vom 01.06.1998 zeigt, dass diese Nährsalzbelastungen auch in diesem Jahr vorhanden waren und es ist davon auszugehen, dass diese schon seit Jahrzehnten besteht.
 

 

Eine erste Folge der zunehmenden Nährsalzbelastung war die Einstellung der Trinkwasserversorgung Lübecks aus dem  Wakenitzwasser. Die Reinigung wurde zu aufwändig.

Weitere Folgen sind Sperrungen der Badestellen der Wakenitz sowie Vergiftung des Wassers.

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